Der Chefredakteur der dpa wechselt den Sessel: Wolfgang Büchner wird neuer Chefredakteur beim “Spiegel”. Das gaben am Montag (29. April) der Spiegel-Verlag und die größte deutsche Nachrichtenagentur bekannt. Nach vier Jahren an der Spitze der dpa kehrt Büchner zu dem Medium zurück, bei dem er von 2001 bis 2008 “Spiegel-Online” maßgeblich mit aufgebaut hat. Büchner versteht sich als Nachrichten- und als Online-Mann und gilt als begnadeter Redaktionsmanager, ihm fehlen allerdings Erfahrungen als Blattmacher. Beim “Spiegel” soll er sowohl die Print- wie auch die Online-Ausgabe leiten.
In seine Zeit bei der dpa fiel die Umstrukturierung der Agentur von einem behördenähnlichen Apparat zu einem kundenorientierten Dienstleistungsunternehmen und die Konzentration der dpa-Zentralaktivitäten in Berlin mit umfangreichen Umzügen aus Hamburg und Frankfurt in die Hauptstadt. Zudem musste sich Büchner zweieinhalb Jahre der Konkurrenz durch die inzwischen vom Markt verschwundene dapd erwehren. Er verkleinerte das Auslandskorrespondentennetz und schuf neue Angebote wie die von der dpa im deutschen Sprachraum vertriebenen Nachrichten der Associated Press. Büchner gilt als kollegial, pragmatisch und zielorientiert, nicht aber als charismatisch. Er ist einer breiten Öffentlichkeit weder als intellektueller Kopf, Talkshow-Gesicht noch Buchautor bekannt. Seine Prominenz beschränkt sich auf die Medienszene.
Büchners Nachfolge bei der dpa ist unklar. In Fachkreisen wird der Name des Gründungs-Chefredakteurs der dapd gehandelt: Cord Dreyer. Der studierte Theologe war Chefredakteur von dpa-AFX, ehe er zur dapd kam und sie zweieinhalb Jahre redaktionell und als Geschäftsführer und Mitglied der dapd-Holding führte. Mit der ersten dapd-Insolvenz im vergangenen Herbst verlor er seinen Job. Dreyer gilt als bestens vernetzt und als erfolgreicher, aber auch als gnadenloser Agenturmanager. Die dapd-Pleite wurde nicht ihm angelastet, sondern den Investoren Peter Löw und Martin Vorderwülbecke.
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dapd hat am Donnerstag, 11. April, um 17 Uhr den Dienst eingestellt. In einer Mitarbeiterversammlung hatte Insolvenzverwalterung Petra Hilgers kurz zuvor den 175 Beschäftigten eröffnet, dass sich kein Investor gefunden habe, der in die angeschlagene Nachrichtenagentur habe einsteigen wollen. Zuletzt waren Gespräche mit der staatlichen russischen Agentur RIA-Novosti gescheitert. Die Russen hatten bereits vor knapp zwei Jahren Interesse an einer Zusammenarbeit bekundet.
Bis zum Monatsende erhalten die dapd-Mitarbeiter noch Insolvenzgeld, danach dürfte das Unternehmen abgewickelt werden, wenn sich in letzter Minute nicht doch noch ein Investor findet. Die dapd-Ressorts haben sich bereits von ihren Kunden verabschbiedet. In der dapd-Redaktion herrschte am Donnerstag Galgenhumor. In zahlreichen Postings kommentierten die Mitarbeiter den Untergang ihres Unternehmens. Kollegen aus den Medien bedankten sich für die geleistete Arbeit.
So schrieb beispielsweise der Chefredakteur von ARD-aktuell im Blog der Tagesschau: “Ich ziehe meinen Hut vor der Arbeit der Kollegen insbesondere im letzten halben Jahr. Seit die beiden Investoren im Oktober den Geldhahn zugedreht haben ging es bei der dapd drunter und drüber. Keine guten Bedingungen für Qualitätsjournalismus. Dass die dapd-Mitarbeiter trotzdem ohne Qualitätseinbuße verlässliche Meldungen geliefert haben, verdient allergrößte Hochachtung. Sie haben alles gegeben, haben für ihren Laden und ihre Arbeitsplätze gekämpft. Jetzt stehen 175 Leute auf der Straße. Den beiden hemdsärmligen Ex-Investoren, die mit breitbeinigem Auftreten (auch mir persönlich gegenüber) publizistische Allmachtsphantasien entwickelten dürften derlei Zukunftssorgen nicht drücken. Zwar kann niemand einen Investor zwingen, dauerhaft Geld zu verbrennen. Aber unternehmerische Verantwortung sieht nach meinem Empfinden anders aus.”
Mit dapd geht ein Stück deutscher Mediengeschichte zu Ende. Die Agentur führte Mitte 2010 die traditionsreichen Dienste des ddp und von AP-Deutschland zusammen. Die beiden Münchener Investoren Martin Vorderwülbecke und Peter Löw hatten hochfliegende Pläne: Von einer zweiten deutschen Vollagentur neben der dpa war die Rede, ebenso von einem europäischen Verbund von Nachrichtenagenturen. Größter Erfolg war der Gewinn einer Ausschreibung des Auswärtigen Amtes für die Belieferung der deutschen Botschaften mit Nachrichten. Doch am 2. Oktober 2012 meldete die Agentur vollkommen überraschend Insolvenz an; die beiden Investoren hatten die Geldzahlungen an das Unternehmen eingestellt. Gewinn hat dapd zu keinem Zeitpunkt seines Bestehens gemacht. Im Zuge einer ersten Sanierung verloren 98 Mitarbeiter zum 30. November 2012 ihre Jobs. Der frühere N24-Chefredakteur Ulrich Ende stieg als neuer Geschäftsführer ein, musste jedoch nur Wochen später erneut Insolvenz anmelden.
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Keine sechs Monate sind vergangen, und schon muss dapd erneut Insolvenz anmelden. Das Amtsgericht Berlin-Charlottenburg bestätigte am Freitag, 1. März, den Eingang eines entsprechenden Antrags des neuen dapd-Geschäftsführers Ulrich Ende. Insider haben damit gerechnet, dass die von dem früheren N24-Chefredakteur übernommene Nachrichtenagentur nach dem Aderlass von einem Drittel der Mitarbeiter Ende November nicht würde überleben können – jedenfalls nicht als Vollagentur, wie Ende es sich vorstellte. Dass aber die neuerliche Insolvenz so schnell kommen würde, hat die Branche überrascht.
Ende begründete den Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens mit den Kündigungsschutzklagen der im November entlassenen Mitarbeiter, deren finanzielle Höhe nicht absehbar gewesen sei. Von 99 Entlassenen hatten 62 Kündigungsschutzklage eingereicht. In den sozialen Netzwerken machte sich daraufhin Empörung breit. Tenor: nun werde den Entlassenen, die auf die Versprechen der Finanzinvestoren und dapd-Gründern Dr. Dr. Peter Löw und Dr. Martin Vorderwülbecke auf Schaffung eines großen Players auf dem deutschen und europäischen Agenturmarktes mit stabilen Arbeitsplätzen und einer großen Zukunft vertraut hatten, auch noch die Schuld in die Schuhe geschoben, dass es mit der neuen dapd nicht so recht vorangeht. Wahrscheinlicher ist, dass Ende nicht die notwendigen vier Millionen Euro zusammenbekommen hat, die von Partnern kommen sollten, die in der Branche kein Mensch kannte. Nur 1,5 Millionen Euro habe Ende beschaffen können, hieß es – zu wenig, um dapd in eine sichere Zukunft zu führen.
Tatsache ist, dass von dem vollmundigen Begriff “Vollagentur” nicht viel bleibt, wenn man berücksichtigt, dass von der einstamls leistungsstarken, von der AP übernommenen Auslandsredaktion nur noch drei Mitarbeiter in Berlin übrig geblieben sind, der 2011 ambitioniert gestartete Sportdienst gar auf einen einzigen Redakteur geschrumpft ist. Bei wichtigen Pressekonferenzen in den vergangenen Monaten suchte man dapd-Mitarbeiter vergeblich. Wichtige Kunden wie die “Rheinpfalz” in Ludwigshafen oder die “WAZ” in Essen sind abgesprungen. Die AP hatte den ursprünglich auf 15 Jahre angelegten Kooperationsvertrag kürzlich angesichts der windigen Situation gekündigt und sich mit der dpa einen leistungsstärkeren Partner gesucht. Viele der qualifizierten dapd-Redakteure, die nicht auf der von der (inzwischen auf einen sicheren Job bei der BILD gewechselten) Kurzzeit-Chefredakteurin Melanie Ahlemeier redigierten “Todesliste” stehenden und am 30. November 2012 entlassenen Mitarbeiter, haben sich in den vergangenen Monaten von sich aus neue Jobs gesucht. Dieser brain drain aus erzwungenen und freiwilligen Kündigungen scheint dapd als ernstzunehmenden Player im deutschen Nachrichtenmarkt den Rest gegeben zu haben.
Hinzu kam, dass ein lukrativer Vertrag mit dem Daimler-Konzern zur Versorgung der Kommunikationseinrichtungen in Mercedes-Benz-Autos mit Nachrichten weltweit bei der Firma Airmotion in München liegt und nicht bei dapd. Letzter verbliebener Trumpf der dapd war neben dem nach wie vor anerkannten Bilderdienst die vor zwei Jahren gewonnene Ausschreibung der Versorgung des Auswärtigen Amtes und der deutschen Botschaften mit Nachrichten. Das reicht aber offenbar nicht, um ein Überleben der Agentur zu garantieren. So dürfte dapd nach Ansicht von Branchenkennern bald als Marke vom Markt verschwinden oder sich in eine Nische zurückziehen. Viele wären schon froh, wenn dapd auf das Format der damaligen ddp schrumpfen würde. Es könnte schlimmer kommen: dass gar nichts von den einstamls hochfliegenden Plänen übrig bleibt. Es wäre damit eine traumhafte Story eines Players, der als Shootingstar der Agenturszene startete, der aber in einem für zahllose Mitarbeiter in einem wahr gewordenen Alptraum zum Enfant terrible der Branche wurde.
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Nach mehr als drei Jahren Unterbrechung kehrt das Agenturkürzel AP in die Meldungsspalten der deutschsprachigen Medien zurück. Anfang Februar hat nach einer kurzen, erfolgreichen Testphase der neue Agenturdienst AP Weltnachrichten seinen Betrieb aufgenommen. Er wird in Deutschland vertrieben von der dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH, die seit dem 1. Februar 2013 exklusive Vermarktungsrechte für Inhalte der Associated Press im deutschsprachigen Raum besitzt. Ihren Kunden sichern die AP Weltnachrichten einen Zugang zu den Informationen, die die Reporterteams und Korrespondenten der Associated Press weltweit rund um die Uhr sammeln und verarbeiten.
“Die Kunden der neuen AP Weltnachrichten erhalten ein ‘best of’ der globalen Berichterstattung der Associated Press”, erklärt dpa-Chefredakteur Wolfgang Büchner. “Sie profitieren von den Stärken der AP: einem sehr dichten Korrespondentennetz, insbesondere innerhalb der USA, einem erstklassigen Zugang zu politischen Entscheidern in Washington und einer breiten Berichterstattung über Kriege, Krisen und Katastrophen in aller Welt.” Hinzu kommt spannender Lesestoff aus den Bereichen Leute und Entertainment.
Die AP Weltnachrichten werden in der Startphase in Berlin geleitet von Peter Zschunke. Der langjährige stellvertretende Chefredakteur und Leiter der Auslandsredaktion der damaligen AP Deutschland ist seit dem Jahr 2010 für die dpa-Gruppe tätig. “Mit Peter Zschunke steht ein exzellenter Nachrichtenprofi an der Spitze des Teams. Wir sind sehr froh darüber, dass er seine große Erfahrung mit AP-Berichterstattung in den neuen Dienst einbringt”, erklärt Wolfgang Büchner. Wer die Leitung der AP Weltnachrichten übernimmt, wenn Peter Zschunke nach der Übergangsphase auf seine Position als Chefkorrespondent in der dpa-Netzwelt-Redaktion zurückkehrt, ist noch nicht entschieden.
Die exklusiven Vermarktungsrechte für AP-Inhalte, die seit dem 1. Februar 2013 bei der dpa liegen, umfassen in Deutschland, Österreich und der Schweiz auch den AP European News Service in englischer Sprache sowie in Deutschland und Österreich den AP European Photo Stream. Zur Vermarktung in Österreich hat dpa eine Vereinbarung mit der APA Austria Presse Agentur eG geschlossen, zur Vermarktung von AP Texten in der Schweiz mit der Schweizerischen Depeschenagentur AG. Über die dpa-Tochterfirma Picture Alliance haben Kunden in Deutschland und Österreich außerdem Zugriff auf AP Images – einen Bestand von rund vier Millionen Bildern, die AP-Fotografen über Jahrzehnte aufgenommen haben.
Die dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH ist der unabhängige Dienstleister für multimediale Inhalte. Die Nachrichtenagentur versorgt als Marktführer in Deutschland tagesaktuelle Medien aus dem In- und Ausland. Ein weltumspannendes Netz von Redakteuren und Reportern garantiert die eigene Nachrichtenbeschaffung nach im dpa-Statut festgelegten Grundsätzen: unparteiisch und unabhängig von Weltanschauungsfragen, Wirtschafts- und Finanzgruppen oder Regierungen. dpa arbeitet über alle Mediengrenzen hinweg, rund um die Uhr. Auf diese Qualität verlassen sich Printmedien, Rundfunksender, Online- und Mobilfunkanbieter sowie andere Unternehmenskunden in mehr als 100 Ländern. (Quelle: OTS)
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Anlässlich ihres 60-jährigen Bestehens hat der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, die KNA gewürdigt. „Als Nachrichtenagentur müssen Sie täglich ein weltweites Nachrichtenspektrum bewältigen, auswählen, redigieren, recherchieren und senden. Die KNA muss in einem sich rasant verändernden Markt operieren“, schreibt Erzbischof Zollitsch an den Chefredakteur der KNA, Ludwig Ring-Eifel. Gleichzeitig arbeite die Agentur auf der Höhe der technischen Standards.
Die Gründung eines gemeinsamen Medienunternehmens, das alle deutschen Bistümer und kirchlichen Publikationen mit Nachrichten beliefern sollte, sei damals schwierig gewesen, vor allem weil das Startkapital gefehlt hätte. Den „gordischen Knoten“ habe – was heute fast unbekannt sei – das vatikanische Staatssekretariat durchgeschlagen und mit einem Zuschuss von einigen tausend Mark das fehlende Kapital bereitgestellt, so Zollitsch. „Denn in Rom hatte man erkannt, dass eine eigene Nachrichtenagentur für die katholische Kirche in Deutschland unverzichtbar sei.“ Heute sei die KNA wichtig, um kirchliche Themen nach außen zu vermitteln. Zu den Stammkunden gehörten beispielsweise über 60 Prozent der Tageszeitungen sowie zahlreiche Hörfunk- und Fernsehanstalten.
Wichtige Verdienste, so Erzbischof Zollitsch, habe sich das römische Büro der KNA erworben, das vor 50 Jahren aus Anlass des Zweiten Vatikanischen Konzils gegründet wurde. „Dank ihrer guten Verbindungen in Rom und ihres weitverzweigten Korrespondentennetzes in ganz Deutschland und in allen Erdteilen hat die KNA als bundesweit kirchliche Informationsquelle eine bemerkenswerte Kontinuität bewiesen“, so Zollitsch. Für die KNA bleibe es ein Auftrag, auch weiterhin über Personen, Debatten und Konflikte zu berichten, die von einer Grundhaltung der Liebe zu Christus und seiner Kirche geprägt seien: „Ich ermutige Sie, auch weiterhin das im Blick zu haben, was Ihren Auftrag ausmacht: Aus Kirche und Welt zu berichten. Dass dazu ein eigenes ‚sentire cum ecclesia’ notwendig ist, wie es der heilige Augustinus sagt, brauche ich sicherlich nicht eigens zu erwähnen.“
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